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Jetzt werden die Tage wieder kürzer. Der Wecker klingelt – und draußen ist es noch stockdunkel. Wir fühlen uns müde, obwohl wir eigentlich genug geschlafen haben. Zufall? Nicht ganz.
Wer sich mit Kindern in Kita oder Grundschule die Frage „Wie wirkt Licht auf uns?“ genauer anschaut, stößt schnell auf ein faszinierendes Zusammenspiel unseres Körpers und dem natürlichem Tag-Nacht-Rhythmus.

Wir tragen eine biologische Uhr in uns. Sie steuert unter anderem unseren Schlaf-Wach-Rhythmus – und orientiert sich dabei ganz wesentlich an Hell und Dunkel.
Lichtempfindliche Zellen in unserer Netzhaut melden dem Gehirn nämlich nicht nur, was wir sehen, sondern auch, wie hell es gerade ist.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Hormon Melatonin. Bei Dunkelheit steigt seine Produktion normalerweise an: Der Körper schaltet auf „Nachtbetrieb“. Kommt morgens wieder Licht ins Spiel, sinkt der Melatoninspiegel. Kurz gesagt: Licht an – Tagmodus. Licht aus – Nachtmodus.

Unser modernes Leben hält sich allerdings nicht unbedingt an diesen Rhythmus. Straßenlaternen, Schaufensterbeleuchtung, erleuchtete Fenster, Werbung, Autos, Sportplätze und Gartenbeleuchtung machen die Nacht vielerorts ziemlich hell. Fachleute sprechen von künstlichem Licht bei Nacht, kurz ALAN (Artificial Light At Night).
Und das könnte auch unseren Schlaf beeinflussen: Eine 2026 veröffentlichte Metaanalyse mit 15 Studien und insgesamt rund 766.000 Menschen fand bei Personen mit hoher nächtlicher Lichtbelastung ein 27 Prozent höheres Risiko für Schlafstörungen als bei Personen mit geringer oder keiner Belastung.
Das heißt natürlich nicht, dass eine Straßenlaterne vor dem Fenster automatisch für Schlafprobleme sorgt, aber es zeigt, wie wichtig der natürliche Wechsel von Hell und Dunkel für unseren Körper sein könnte.
Wer schon einmal weit außerhalb einer Stadt unterwegs war, kennt den Unterschied: Plötzlich ist der Himmel voller Sterne. Nicht, weil es auf dem Land mehr Sterne gibt. Sondern weil weniger künstliches Licht den Himmel aufhellt und man so die Sterne besser sehen kann.
Dieses sogenannte Skyglow ist ein Teil der Lichtverschmutzung. Dazu kommt Licht, das direkt in Lebensräume strahlt – etwa in Parks, an Straßenrändern oder an Gebäuden. Für uns bedeutet weniger Lichtverschmutzung: mehr Sterne.

Lust auf ein kleines Experiment? Schaltet für fünf Minuten möglichst alle Lampen aus und zieht die Vorhänge zu. Dann einfach kurz sitzen bleiben. Wahrscheinlich merkt ihr schnell: So richtig dunkel wird es gar nicht. Router, Standby-Lämpchen, Ladegerät, Rauchmelder, Straßenlaterne. Unsere Umgebung steckt voller kleiner künstlicher Lichtquellen.
Und jetzt stellt euch vor, ihr wärt ein nachtaktives Tier, dessen Augen sich über Millionen Jahre an natürliche Dunkelheit angepasst haben. Für dieses Tier ist unsere Welt vermutlich ziemlich hell.

Für Tiere bedeutet Dunkelheit viel mehr. Sie hilft bei der Orientierung, bestimmt Aktivitätszeiten und beeinflusst, wann Tiere auf Nahrungssuche gehen oder sich fortpflanzen. Dunkelheit ist deshalb nicht einfach „kein Licht“. Sie ist Lebensraum.
Rund 30 Prozent der Wirbeltiere und mehr als 60 Prozent der Wirbellosen sind nachtaktiv. FĂĽr viele Tiere beginnt das Leben also genau dann, wenn bei uns die Lichter ausgehen. Nachts wird gejagt, gefressen, navigiert, kommuniziert und nach Partnern gesucht.
Künstliches Licht kann diese Abläufe stören – besonders gut untersucht ist das bei nachtaktiven Insekten. Lichtquellen können die Orientierung und Flugbewegungen dieser Tiere verändern. Manche Tiere werden durch künstliches Licht aus ihren eigentlichen Lebensräumen gelockt. Weil dies zur Erschöpfung führt, werden sie so leichter zur Beute.
Besonders romantisch geht es bei Glühwürmchen zu. Ihre Leuchtsignale sind bei vielen Arten Teil der Kommunikation und Partnersuche. Künstliches Licht kann diese Signale überstrahlen und das Paarungsverhalten beeinträchtigen.
Oder anders gesagt: Ein GlĂĽhwĂĽrmchen sucht einen zart leuchtenden Partner und findet sich beim Um-die-Ecke-Biegen in einem LED-Flutlicht wieder. So wird die Partnersuche eher schwierig.
Im Scheerwald in Frankfurt am Main wird untersucht, welche Insekten nachts in den Wäldern unterwegs sind und welche Lichtfarben besonders umweltverträglich sind. Dafür werden moderne LED-Straßenleuchten mit unterschiedlichen Einstellungen getestet. So soll herausgefunden werden, welche Lichtfarbe die wenigsten Insekten anlockt.
Die Ergebnisse können dabei helfen, die Straßenbeleuchtung künftig so zu gestalten, dass Insekten möglichst wenig gestört werden.
Per Klick geht’s zum Projekt.
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Nein. Licht ist wichtig – für Sicherheit, Orientierung und unseren Alltag. Das Problem ist weniger das Licht an sich als unnötiges oder falsch eingesetztes Licht. Entscheidend ist der bewusste Umgang, denn zu verstehen, wie Licht auf uns und nachtaktive Lebewesen wirkt, hilft dabei, unnötige Lichtquellen im Alltag zu reduzieren.

Schon kleine Veränderungen können helfen:
Das hilft der Tierwelt. Und vielleicht tut ein bisschen mehr Dunkelheit auch uns selbst ganz gut.
(24.09.2026/DD)
Wollt ihr noch mehr über geheimnisvolle Tiere erfahren, die erst in der Dämmerung wach werden? Klickt euch durch unsere Beiträge zu den Fledermäusen, der Eule oder dem Dachs hier im Blog und entdeckt spannende Fakten für neugierige Kids.
Lust auf noch mehr Forschergeist? Auf unserer Themenseite Spannende Experimente fĂĽr kleine Forscher warten jede Menge faszinierende Experimentier-Ideen und Entdecker-Tipps auf euch. Das passende Material findet ihr wie gewohnt direkt in unserem Shop.
Wie dunkel ist es nachts bei euch vor dem Fenster – könnt ihr noch Sterne sehen oder leuchtet die Straßenlaterne ins Zimmer? Erzählt es uns auf Facebook oder Instagram unter dem Hashtag #alsverlag. Wir freuen uns riesig auf eure Beobachtungen!
Helles Tageslicht fördert Wachheit und Aufmerksamkeit in Kita und Schule. Fehlt das Licht an trüben Herbsttagen, schüttet der Körper vermehrt Melatonin aus, was zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit führen kann.
Melatonin wird bei zunehmender Dunkelheit im Gehirn gebildet und signalisiert dem Körper, in den Ruhemodus zu schalten. Helles Licht und Bildschirme am Abend hemmen diesen Vorgang und erschweren das Einschlafen.
Das Thema verbindet Biologie, Umweltschutz und Physik anschaulich miteinander. Kinder lernen, wie Straßen- und Gebäudebeleuchtung Insekten irritieren und das Leben nachtaktiver Tiere beeinträchtigen.
Im Winter, wenn es morgens noch dunkel ist, lässt sich dieses Experiment gut durchführen. Der Gruppenraum wird für fünf Minuten komplett abgedunkelt. Die Kinder beobachten, welche Standby-Lichter oder Außenlaternen sichtbar bleiben, um ein Gefühl für ständige Beleuchtung zu entwickeln.
Gezielt nach unten gerichtete Leuchten, warmweißes LED-Licht mit geringem Blauanteil sowie Bewegungsmelder verhindern, dass Insekten orientierungslos um Lampen schwirren und erschöpfen.
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