Nachgefragt …

… bei Grundschullehrerin Steffi aus Niedersachsen
und Realschullehrerin Sandra aus Baden-Württemberg.

Seit mehr als einem Jahr ist es traurige Realität: Kein Tag vergeht, ohne dass wir uns mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 und inzwischen auch mit seinen Mutationen auseinandersetzen müssen. Begriffe wie Lockdown, Shutdown, Inzidenzwert, R-Wert, exponentielles Wachstum, Wechselunterricht, Distanzunterricht, PCR-Test oder FFP2-Maske kommen uns inzwischen wie selbstverständlich über die Lippen.

Doch wie gehen Kinder mit alldem um, was sich hinter den vielen Begriffen verbirgt? Wir haben zwei Lehrerinnen Anfang April 2021 nach ihren Erfahrungen gefragt.

ALS: Eingeschränkt ist ja im Augenblick das neue Normal. Wie geht ihr als Lehrerinnen und wie gehen eure Klassen mit den ständig wechselnden Herausforderungen um?

Steffi: Ich habe das große Glück, meine Schüler*innen zumindest jeden zweiten Tag zu sehen. Das ist für sie, aber auch für mich, sehr wichtig und ein kleines Stück Alltag und Normalität in dieser verrückten Zeit. Der Unterricht ist durch das Masketragen, dauernde Lüften und Abstandhalten natürlich sehr viel weniger flexibel und lebendig. Aber es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell Kinder sich an solche neuen Situationen gewöhnen und ihren Weg finden, damit zurechtzukommen.

Sandra: Die älteren Schüler*innen, die seit Dezember ständig zu Hause waren, fanden das Zuhausesein zunächst ganz gut. Je länger das „Schulbesuchsverbot“ für sie andauert, desto mehr wünschen sie sich aber in die Schule zurück. Ihnen ist langweilig, die Selbstorganisation überfordert viele von ihnen und sie wünschen sich die Schule sowie uns Lehrer*innen zurück. Bei den jüngeren Schülern und Schülerinnen, die wieder im Wechselunterricht sind, überwiegt die Freude, wieder in die Schule gehen zu dürfen und ein Stück Normalität zu haben, Freunde zu sehen und Beschäftigung außerhalb der vier Wände. Ich glaube, durch den Lockdown haben die Kinder und Jugendlichen die Schule mehr schätzen gelernt. Für uns Lehrkräfte ist es natürlich eine Belastung gewesen, die Schüler*innen nur online hören und sehen zu können. Viele konnten von uns auch nicht so versorgt werden, wie wir uns das gewünscht hätten. Als ich wieder in die Schule zum Unterrichten kommen durfte, habe ich mich daher sehr auf die Schüler*innen gefreut.

ALS: Was ist denn aus eurer Sicht die größte Schwierigkeit, mit der sich die Jungs und Mädels konfrontiert sehen? Gibt es etwas, was ihnen besonders zu schaffen macht?

Steffi: Ich glaube, die größte Schwierigkeit für die meisten Schüler ist die Distanz zu ihren Mitschüler*innen und Lehrer*innen. In der Zeit des harten Lockdowns haben wir uns wochenlang nicht gesehen und da war es schwierig, dies durch digitale Angebote zu überbrücken. Den Kindern fehlte in dieser Zeit sicher am meisten der Kontakt zu den anderen Kindern. Aber auch das Zeiteinteilen und Erledigen von Hausaufgaben fällt vielen Kindern sehr schwer. Seit wieder Wechselunterricht stattfindet, ist das leichter. Die Zeiträume in denen sie ”nur” zu Hause sind, sind überschaubarer. Außerdem ist es, glaube ich, manchmal schwierig, dass es Regeln gibt, die den Kindern vielleicht nicht direkt sinnvoll erscheinen, aber die den Schulalltag trotzdem sehr verändern. Durch das Verbot von Singen in der Schule beispielsweise, ist das Geburtstagfeiern nur noch halb so schön.

Sandra: Das, was ich von vielen Kindern und Jugendlichen höre, ist, dass sie von den vielen Meldungen in Bezug auf das Coronavirus sehr verunsichert und beunruhigt sind. Es macht ihnen zu schaffen, viele Freunde nicht mehr einfach treffen zu können. Außerdem waren und sind viele damit überfordert, sich Lerninhalte zum Teil selbst anzulesen und den Schultag selbst gestalten zu müssen. Dennoch denke ich, dass viele von ihnen gerade diese Erfahrung dringend gebraucht haben, um „normale Dinge wieder wertschätzen zu können und dass es eine Übungsphase für sie war, um sich im späteren (Schul-)leben besser selbst zurechtfinden zu können.

ALS: Und für euch? Um wie viel schwieriger und aufwendiger ist denn für euch die Unterrichtsvorbereitung und natürlich auch der Unterricht selbst geworden?

Steffi: Bei der Planung des Unterrichts kann ich auf viel weniger Methoden zurückgreifen, die ich sonst in meinem Unterricht anwenden würde. Gerade im Sachunterricht ist das sehr schade. Aber Experimente und Gruppenarbeit sind mit den Hygienevorschriften kaum in Einklang zu bringen. Durch die verschiedenen Gruppen, die ich unterrichte, ist es teilweise auch schwierig, den Überblick zu behalten, welche Gruppe wann was gelernt hat. Andererseits hat man im Unterricht sehr viel mehr Zeit für die einzelnen Schüler*innen. Schade ist auch, dass man mit Eltern nur über Telefon und Email kommunizieren kann.

Sandra: Da die Klassen bei uns nun geteilt unterrichtet werden, genieße ich diese Zeit, in der ich das Gefühl habe, endlich schwächere und stärkere Schüler*innen gleichermaßen besser fördern zu können, weil es einfach weniger Kinder in einer Klasse gibt und ich jede*n im Blick haben kann. Wenn ich Tage habe, an denen ich Online- und Präsenzunterricht habe, kann er schon einmal stressig werden, denn ich muss schauen, dass ich mich rechtzeitig im Online-Lernbereich befinde, wo die anderen Schüler*innen bereits auf mich warten. Der Unterricht in Präsenz ist an sich angenehmer geworden, weil ich meinen Unterricht auf die kleineren Lerngruppen besser abstimmen kann. Im Online-Unterricht ziehen sich viele Kinder zurück, sodass ich nicht jeden und jede mitbekomme. Das finde ich schade.

ALS: Wenn euch heute eine gute Fee erscheinen würde und ihr 3 Wünsche frei hättet, welche wären es?

Steffi: Ich würde alle drei Wünsche dazu verwenden, das Coronavirus zu verjagen. Und da das wahrscheinlich nicht geht, wären es folgende: gutes Wetter zum Lüften und Draußensein, extra-atmungsaktive Masken, die keine Kopfschmerzen machen, und eine große Portion Glück für jedes Kind.

Sandra: Meine drei Wünsche wären, dass die Leute die kleinen Dinge nach Corona mehr wertschätzen, dass wir Klassenstärken haben, in denen jedes Kind gesehen werden kann und dass wir möglichst viele Tage gesund sind und das auch bleiben.

Und wie erleben Kindergartenkinder ihren neuen Alltag rund um Corona? Wir haben auch hier nachgefragt … bei Erzieherin Katharina aus Österreich.

ALS: Abstand halten ist im Moment ja das A und O. Wir tragen Masken, nähern uns unseren Mitmenschen nicht weiter als 1,50 m und vermeiden auch ansonsten jeden körperlichen Kontakt. Wie gehst du damit um, wenn die Kinder in deiner Gruppe „Kuschelbedürfnisse“ haben oder getröstet werden wollen?

Katharina: Im Kita-Alltag ist Nähe und körperliche Zuwendung für die Kinder wichtig, damit sie sich geborgen und willkommen fühlen. Als Erzieher*in wird man die Kinder auch in Corona-Zeiten nicht zurückweisen, sondern auf das Bedürfnis nach körperlicher Nähe eingehen, wenn sie es brauchen. Auch wenn Kinder miteinander spielen, ist es schwierig, den Abstand zu wahren. Wenn es die personellen Ressourcen zulassen, hat sich die Arbeit in Kleingruppen, möglichst wenige Kinder in einem Raum oder Spielbereich zu begleiten, als gut und vorteilhaft erwiesen.

ALS: Das Masketragen ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Tragt ihr die Masken auch im persönlichen Kontakt mit den Kindern? Und wie empfinden die Kinder es, wenn die Mimik nicht mehr wahrnehmbar ist?

Katharina: Das Tragen der Masken stellt in der Kita immer wieder eine Herausforderung dar, da man hin- und hergerissen ist zwischen dem Abwägen des Risikos einer gegenseitigen Ansteckung und der Qualität der pädagogischen Arbeit, besonders die Sprachförderung betreffend. Für Kinder mit einer Hörbeeinträchtigung oder Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, ist es beispielsweise besonders wichtig, dass sie die Mimik und das Mundbild gut sehen und ablesen können. Doch nicht nur die Sprachförderung ist eingeschränkt, auch auf emotionaler Ebene möchten die Kinder ihr Gegenüber lieber ganz und nicht verdeckt wahrnehmen, wobei ich teilweise den Eindruck habe, dass sich viele Kinder mittlerweile auch schon an das Bild vom Erwachsenen mit Maske gewöhnt haben.

ALS: Auch das Händewaschen und Desinfizieren haben die Kinder inzwischen schon verinnerlicht. Gibt es in deiner Einrichtung Rituale, um den Kindern die Hygienemaßnahmen etwas schmackhafter zu machen?

Katharina: Das Händewaschen hat im Kita-Alltag einen wichtigen Stellenwert bekommen. Mit lustigen Begleitreimen haben wir es den Kindern schmackhaft vermittelt. Spezielle Seifen zeigen den Jungen und Mädchen auch an, ob sie ihre Hände auch lange und gründlich genug gewaschen haben. Die Kinder erinnern sich oft schon gegenseitig an das Händewaschen und ich erlebe diese Hygienemaßnahme nicht als belastend für die Kinder, sondern als lustige Fixpunkte im Kita-Alltag.

ALS: Um die Sicherheit zu erhöhen, werden die Kinder inzwischen auch im Kindergarten regelmäßig auf das Virus getestet. Wie handhabst du das? Ist das Testen der Kinder für dich eine zusätzliche Belastung oder gewährt das mehr Freiheiten im Umgang?

Katharina: Das Testen in den Kitas befindet sich erst in der Versuchsphase. Der Lollipop-Test ermöglicht eine einfache Handhabung und ist rasch durchgeführt. Den Kindern wurde das Testverfahren auf spielerischer Ebene vermittelt und alle, die mit Einverständnis der Eltern daran teilhaben dürfen, freuen sich, den Lolli zu lutschen und im Anschluss das Mülleimer-Monster mit den fertigen Tests zu füttern. Für den Kita-Alltag bedeutet das eine gewisse Entspannung und eine kleine Sicherheit, wobei man sich nicht von einer absoluten Sicherheit täuschen lassen sollte und das Einhalten von wichtigen Hygienemaßnahmen damit nicht ersetzt wird.

ALS: Wie erleben die Kinder das Getestetwerden und wie gehen sie mit einem positiven Ergebnis um?

Katharina: Die Kinder erleben das Getestetwerden als Spiel und selbst wenn der Test einmal ein positives Ergebnis aufzeigen sollte, so gilt es in erster Linie, Ruhe zu bewahren und die Eltern darüber zu informieren, welche das Kind dann möglichst zeitnah abholen sollten. Man darf zudem nicht vergessen, dass das Ergebnis des Schnelltests ja auch nicht die Gewissheit eines ganz sicheren Ergebnisses liefert, das erfolgt erst mittels PCR–Test.

Abschließend möchte ich sagen, dass wohl die Hauptaufgabe von Erzieher*innen in dieser herausfordernden und verunsichernden Zeit darin besteht, den Kindern Sicherheit und Stabilität zu geben und ihnen zu vermitteln, dass trotzdem alles gut ist. Denn erleben die Kinder Unsicherheit und Angst hautnah, so wirkt sich das, wie man oft leider schon bei einigen Kindern und Jugendlichen sehen kann, negativ auf ihre Psyche aus. Und um sich gesund und gut entwickeln zu können, muss die physische und psychische Gesundheit der Jungen und Mädchen im Einklang sein.

(WH, DD)

 

 

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