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Fressen oder gefressen werden – im Tierreich entscheiden oft Sekunden über Leben und Tod. Während große Tiere auf Kraft und Schnelligkeit setzen, müssen sich viele kleinere Tiere etwas Cleveres einfallen lassen. Und genau hier wird es richtig spannend: Manche verschwinden scheinbar vor unseren Augen, andere tragen knallige Warnfarben oder geben sich einfach als jemand anderes aus. Willkommen in der faszinierenden Welt von Mimikry, Mimese und Co.! Tarnung im Tierreich
Tiere haben im Laufe der Evolution erstaunliche Strategien entwickelt, um nicht auf dem Speiseplan ihrer Feinde zu landen. Je nach Art setzen sie auf ganz unterschiedliche Tricks:
Dabei geht es entweder darum, gar nicht erst entdeckt zu werden – oder den Feind davon zu überzeugen, dass ein Angriff keine gute Idee wäre.
Wie die perfekte Tarnung im Tierreich als Schutz vor Fressfeinden funktioniert:

Stellt euch vor, ein gelb-schwarz gestreiftes Insekt fliegt auf euch zu. Wahrscheinlich denkt ihr sofort: „Vorsicht, eine Wespe!“ Doch oft ist es gar keine Wespe.
Viele harmlose Insekten, zum Beispiel Schwebfliegen, einige Käfer oder Schmetterlingsraupen, haben sich im Laufe der Evolution das typische Wespen-Outfit zugelegt. Obwohl sie weder stechen noch giftig sind, profitieren sie vom schlechten Ruf ihrer gefährlichen Doppelgänger. Und auch manche Schlangen imitieren das Muster hochgiftiger Arten.

Noch raffinierter wird es bei der Mimese. Hier verschmilzt das Tier mit seiner Umgebung. Es sieht aus wie ein Blatt, ein Ast, ein Stein oder sogar ein Stück Rinde. Nur wer genau hinschaut, entdeckt plötzlich: Das Blatt läuft!
Berühmte Meister dieser Tarnkunst sind: Stabheuschrecken, Wandelnde Blätter, Gespenstschrecken, Fangschrecken oder Spannerraupen.
Damit die Tarnung funktioniert, heißt es allerdings: möglichst stillhalten. Denn selbst der perfekt getarnte Ast fällt auf, wenn er plötzlich loskrabbelt.

Manche Tiere gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie verändern ihre Farbe je nach Umgebung und passen sich innerhalb kurzer Zeit perfekt an ihren Hintergrund an. Fachleute sprechen von einer Umgebungstracht.
Da kommt den meisten das Chamäleon in den Sinn, aber auch manche Kraken haben diesen Trick drauf. Und sie wechseln nicht nur ihre Farbe, sondern verändern teilweise sogar die Struktur ihrer Haut. So wird aus glatter Haut plötzlich eine felsige Oberfläche – fast so, als würde der Meeresboden selbst lebendig werden. Und einige Schnecken nutzen Farbstoffe aus ihrer Nahrung. Wer grüne Pflanzen frisst, wird grün. Wer Rotalgen futtert, erscheint rötlich. Praktischer geht Tarnung kaum.

Nicht alle Tiere wollen unsichtbar sein. Manche möchten sogar möglichst auffallen. Leuchtendes Gelb, kräftiges Rot oft kombiniert mit Schwarz sind Warnfarben und signalisieren dem Feind: „Ich bin gefährlich, giftig oder ungenießbar!“
Bekannte Beispiele mit Warntracht sind: Marienkäfer, Wespen und Hornissen, Feuerwanzen, Salamander und die Raupe des Wolfsmilchschwärmers.
Gerade die Raupe des Wolfsmilchschwärmers warnt ihre Feinde mit ihrer auffälligen rot-schwarzen Zeichnung zu Recht, denn sie ernährt sich ausschließlich von giftiger Zypressen-Wolfsmilch. Das Pflanzengift schadet ihr nicht – wohl aber ihren Fressfeinden.

Kennt ihr das Pfauenauge? Im Ruhezustand wirkt dieser Schmetterling eher unscheinbar. Doch fühlt er sich bedroht, klappt er blitzartig seine Flügel auseinander. Und dabei erscheinen plötzlich riesige Augenflecken.
Für den Angreifer sieht es so aus, als würde ein großes Tier zurückstarren. Viele Vögel erschrecken sich so sehr, dass sie den Angriff abbrechen. Diese Schreckzeichnung nennt man Abwehrtracht. Sie funktioniert weniger durch Tarnung als durch den Überraschungseffekt.
Eines der bekanntesten Beispiele für Evolution ist der Birkenspanner. Früher waren die meisten dieser Nachtfalter hell gefärbt. Auf den weißen Birkenstämmen waren sie nahezu unsichtbar. Mit Beginn der Industrialisierung verrußten jedoch vielerorts die Baumstämme. Plötzlich fielen die hellen Falter auf und wurden häufiger von Vögeln gefressen.
Dunklere Tiere hatten dagegen einen Vorteil: Sie waren auf den dunklen Stämmen besser getarnt und überlebten häufiger. Schon nach wenigen Generationen überwogen in diesen Regionen dunkle Birkenspanner. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell sich Tiere an veränderte Lebensräume anpassen können.
Besonders clever ist die Raupe des Lattich-Mönchs. Ihre gelb-schwarze Zeichnung wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Warntracht. Gleichzeitig lebt sie bevorzugt auf gelb blühenden Pflanzen. Dort verschmilzt sie erstaunlich gut mit ihrer Umgebung. Sie kombiniert also gleich zwei Strategien: Tarnung und Warnung.
Ob täuschend echte Wespe, laufendes Blatt oder Schmetterling mit riesigen Augen – die Natur steckt voller verblüffender Ideen. Tarnung und Warnung gehören zu den erfolgreichsten Überlebensstrategien überhaupt. Manche Tiere verschwinden vor unseren Augen, andere machen sich größer, gefährlicher oder giftiger, als sie tatsächlich sind. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie zeigen eindrucksvoll, wie kreativ die Evolution sein kann.
(25.07.2026/DD)
Habt ihr Lust bekommen, die kleinen Tarnkünstler in eurer Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen? In unserer Kategorie „Tierforscher“ findet ihr noch viele weitere spannende Porträts und pädagogische Impulse rund um unsere heimischen Tiere.
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Habt ihr schon einmal ein Wandelndes Blatt oder eine perfekt getarnte Raupe entdeckt? Schickt uns eure Fotos oder berichtet uns auf Facebook oder Instagram davon! Wir freuen uns riesig, wenn ihr uns folgt und eure Entdeckungen mit uns teilt.
Bei der Mimese ahmen Tiere Gegenstände ihrer Umwelt nach, wie etwa Äste oder Blätter, um komplett unsichtbar zu werden. Bei der Mimikry täuschen harmlose Tiere hingegen vor, gefährlich oder giftig zu sein, indem sie das Aussehen wehrhafter Arten kopieren.
Eine geschickte Tarnung im Tierreich spart extrem viel Energie. Statt ständig auf der Flucht zu sein oder schwere Kämpfe auszufechten, schützt der visuelle Schutz die Tiere bereits im Vorfeld davor, überhaupt erst als Beute entdeckt zu werden.
Die Augenflecken dienen als sogenannte Abwehrtracht. Fühlt sich der Schmetterling bedroht, klappt er blitzartig die Flügel auf. Angreifende Vögel erschrecken vor den scheinbaren Riesenaugen eines Fressfeinds und brechen ihren Angriff im letzten Moment ab.
Diese Anpassung nennt man Umgebungstracht. Tiere wie das Schneehuhn oder der Schneehase wechseln ihr Fell oder Gefieder von braun im Sommer zu weiß im Winter, um sich auf dem verschneiten Boden weiterhin perfekt vor Feinden zu verstecken.
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