Tag des Delfins

Ich glaube, es gibt keinen Menschen auf der Welt, der dieses Tier nicht liebt und jeder hat den Traum, dieses Tier einmal in freier Wildbahn zu erleben. Deswegen feiern wir nur zu gern jedes Jahr den Tag des Delfins!

Ein Traum wird wahr

IMG 6189 minIch, digitale Nomadin des ALS-Verlages, konnte mir auf Teneriffa endlich den Traum einer Delfin-Tour erfüllen. Da mir wichtig war, eine ökologische Tour zu buchen, informierte ich mich genau vorab, welcher Anbieter dafür in Frage kommt. Meine Wahl fiel auf Bonadea II – Diomedea im Süden Teneriffas. Nachhaltigkeit ist Bonadea II sehr wichtig und so haben wir nicht nur Delfine und Wale beobachtet, sondern auch Plastikmüll aus dem Meer gesammelt.

Fragen über Fragen

Als ich unseren Bastelknirpsen von meinem Trip erzählt habe, stellten sie mir tausend Fragen, die ich unmöglich alle beantworten konnte. Da es mir aber am Herzen liegt, dass die Knirpse verstehen, wie wichtig unsere Umwelt und Tierwelt ist, und ich selbst auch einige Fragen hatte, kontaktierte ich eine gute Freundin von mir, die Meeresbiologin ist und auf der ganzen Welt Delfine erforscht.

Sina, die Delfin-Forscherin

Sina ForschungSina Kreicker hat als gebürtige Frankfurterin dort auch ihr Grundstudium in Biologie abgeschlossen. Doch es zog sie aufs Meer hinaus und so erforschte sie Delfine und Wale an vielen Orten der Welt: im Mittelmeer (Balearen), im Atlantik (USA, Azoren, São Tomé und Principe), im Roten Meer (Ägypten, Jordanien) und im Indischen Ozean (Australien, Mosambik).

Sie ist Gastforscherin an der Uni Zürich, wo sie ihre Masterarbeit über Werkzeugbenutzung bei Delfinen schrieb. Ja, richtig gelesen, auch Delfine nutzen Werkzeuge: Sie stülpen sich einen Meeresschwamm über ihren Schnabel, um sich bei der Suche nach ganz bestimmten Fischen am Meeresgrund nicht zu verletzen. Dieses Wissen geben sie über Generationen hinweg weiter und das ist somit ein Beispiel von Werkzeugkultur!

Derzeit erforscht sie im Zuge ihrer Doktorarbeit, wie Delfine ihre Freundschaften aufbauen und pflegen. Dafür hat sie viele Stunden im Wasser tauchend mit freilebenden Delfinen verbracht. Sie arbeitet außerdem mit Delfinschutzorganisationen zusammen und hält Schulungen rund um nachhaltigen Wal- und Delfintourismus.

Aber nun zu den Fragen zum Tag des Delfins

Emil: Wie schnell können Delfine schwimmen?
Sina: Das kommt ganz auf die Größe des Delfins an. Der Größte unter den Delfinarten ist der Orca oder auch Schwertwal oder Killerwal genannt. Er schafft bis zu 55 km/h. Andere Arten, wie z.B der Große Tümmler, können bis zu 35 km/h schwimmen. Das sind aber Spitzenwerte. Sie sind meist viel gemütlicher bei ca. 5–10 km/h unterwegs, denn das spart Energie.

Paul: Wie viele Arten gibt es?
Sina: Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil immer wieder mal neue Arten und Unterarten durch Forscher entdeckt werden und leider auch Arten aussterben. Auch kommt es darauf an, ob man die Flussdelfine und Schweinswale mitzählt, denn die gehören genau genommen nicht zur Familie der Delfine, sehen sich aber recht ähnlich. Also, es gibt derzeit 38 Delfinarten, 7 Schweinswalarten und 4 Flussdelfinarten, das sind insgesamt 49 Arten.

Theo: Wie groß ist der größte Delfin?
Sina: Ein ausgewachsener männlicher Orca (ja richtig, der Orca ist eine Delfinart) kann fast 10 m groß werden und über 6 t wiegen.

Emil und Sarah: Wie alt werden sie in freier Wildbahn?
Sina: Das kommt auch wieder auf die Art an. Der Schweinswal, die einzig ganzjährig lebende Art in der deutschen Ost- und Nordsee, wird ca. 20 Jahre alt, der Große Tümmler kann bis zu 50 Jahre und der Orca über 80 Jahre alt werden. In Gefangenschaft werden Delfine nie so alt, denn sie können in Delfinarien niemals artgerecht gehalten werden.

Stelle dir vor, du müsstest dein Leben in einer Badewanne verbringen 😳. Daher bitte niemals ein Delfinarium besuchen! Wenn du Delfine sehen möchtest, dann nur in freier Wildbahn und mit einem Delfin-freundlichen Touranbieter– und da mach dir bitte die Mühe, einen verantwortungsvollen Touranbieter auszusuchen!

Sofia: Warum können Delfine nicht an Land leben?
Sina: Obwohl sie von einem Landtier abstammen, Säugetiere sind und damit Luft atmen, hat sich ihr Körper über viele Millionen Jahre perfekt an das Wasser angepasst. Aufgrund ihres Körperbaus können sie sich nicht an Land fortbewegen, wie das z. B. Robben können. Gestrandete Delfine müssen ganz schnell wieder ins Wasser gebracht werden, damit ihr Körpergewicht ihre Organe (z. B. Lunge) nicht erdrückt.

Sofia: Verstehen sich Delfine mit Haien?
Sina: Allgemein kann man sagen: nicht so gut 😉 Aber da kommt es auch wieder auf die Größe und Nahrung an, denn es gibt ca. 500 verschiedene Haiarten: Der kleinste Hai ist nur 20 cm klein, der größte Räuber unter den Haiarten, der Weiße Hai, wird bis zu 6 m und der Walhai, der nur Plankton aus dem Wasser filtert, kann 20 m groß werden.

Es wurde schon beobachtet, wie Delfine mit dem sanften Walhai gespielt haben. Vor dem Weißen Hai, Makohai, Bullen- oder Tigerhai nehmen sich die meisten Delfinarten in Acht, denn für diese sind Delfine durchaus ein Leckerbissen. Aber Delfine fressen auch kleine Haiarten. Und der Orca hat vor ein paar Jahren den Weißen Hai vor Südafrika neu auf seine Speisekarte aufgenommen.

Sarah: Verstehen sich Delfine mit Walen?
Sina: Ja und sogar sehr gut! Vor Hawaii wurde beobachtet, wie Delfine in der Bugwelle von Buckelwalen schwimmen, mit ihnen spielen und sogar auf ihrer Kopfspitze reiten. Generell lieben es Delfine, sich den Tag mit Spielen zu vertreiben. Ob untereinander, mit anderen Delfinarten, Schildkröten, oder beim Kopfball mit einem Kugelfisch.

Sarah: Wie lange gibt es überhaupt schon Delfine (Thema Evolution)?
Sina: Vor 50 Millionen Jahren, also 15 Millionen Jahre nachdem die Dinos ausgestorben sind, lebte derSina Arbeit gemeinsame Vorfahr der Barten- und Zahnwale (dazu gehören die Delfine) noch an Land, aber in Wassernähe und hatte vom Aussehen her etwas Ähnlichkeit mit einem Wolf.

Über 10 Millionen Jahre wanderte langsam die Nase nach hinten auf die Kopfoberseite, die Vorderbeine entwickelten sich zu Flossen und die Hinterbeine zurück. Delfine gibt es also ca seit 40 Millionen Jahren.

Zum Vergleich: vor 6 Millionen Jahren entwickelten sich die Menschenaffen und erst seit 300.000 Jahren gibt es uns Menschen – die Art Homo sapiens.

Sarah und Sofia: Wie heißt das Atemloch? Und wie funktioniert die Atmung?
Sina: Die „Nasenlöcher“ befinden sich auf der Kopfoberseite und werden Blaslöcher genannt. Wenn ein Delfin auftaucht, atmet er zuerst aus, bevor er frische Luft einatmen kann. Nach jedem Atemzug schließt sich das Blasloch mithilfe von starken Muskeln, damit kein Wasser in die Lunge eindringen kann.

Zahnwale haben nur ein Blasloch, Bartenwale (wie der Blauwal oder Buckelwal) haben zwei Blaslöcher. Wale und Delfine können übrigens nicht durch den Mund atmen, sodass beim Fressen kein Wasser in die Lunge geraten kann.

Mel: Was können wir vom Delfin lernen?
Sina: Wie wichtig Freundschaften und Familie sind. Der Große Tümmler z. B. hat feste Freundschaften, die ein Leben lang halten können. Der Orca lebt im festen Familienverband, in dem die Mama und Oma das Sagen haben und ihr Wissen über Generationen weitergeben. Außerdem sind die Delfine ein faszinierendes Beispiel für die Schönheit unseres Planeten.

Doch zeigen sie uns leider auch, wie stark sie und ihr Lebensraum durch uns Menschen bedroht sind. An vielen Orten der Welt gehen die Bestände stark zurück, viele Arten stehen kurz vor dem Aussterben. Zum Beispiel gibt es vom Maui-Delfin in Neuseeland nur noch ca. 50 Tiere, vom Vaquita-Delfin in Mexiko leider nur noch 10, alle Flussdelfine sind stark bedroht und der Baji-Flussdelfin ist vor einigen Jahren ausgestorben. Der Schweinswal in der deutschen Ostsee ist nicht nur aufgrund von Wasserverschmutzung, Unterwasserlärm und Lebensraumzerstörung stark gefährdet, sondern verendet leider viel zu oft in Stellnetzen der Fischerei für Hering, Scholle und Dorsch. Diese Fischereimethode ist in Deutschland sogar in Meeresschutzgebieten erlaubt.

Daher, wenn du unbedingt Fisch essen möchtest, dann informiere dich bitte genau, wie und wo er gefangen wurde, verlasse dich nicht gutgläubig auf Siegel (z. B. ist das blaue MSC-Siegel nicht nachhaltig) und vermeide Fisch aus Aquakulturen.

Mel: Wenn die Delfine zum Atmen auftauchen müssen – wie schlafen sie dann?
Sina: Delfine haben nicht wie wir Menschen einen Atemreflex und müssen sich somit an das Atmen „erinnern“. Daher schläft im Wechsel immer nur eine Gehirnhälfte. Schläft z. B. die linke Gehirnhälfte, ist das rechte Auge zu. Manche Delfine schlafen in Bewegung, nehmen ein paar Atmenzüge, tauchen ein paar Minuten ab und schwimmen dann wieder an die Oberfläche. Andere Delfine liegen einfach zum Schlafen an der Waseroberfläche – das kann gefährlich werden, wenn sich Boote zu schnell nähern.

Mel: Wie fühlt sich ein Delfin an?133793 10151096277641375 476195893 C
Sina: Das weiß ich nicht, da ich noch nie einen Delfin angefasst habe, denn das ist eine Form von Respekt. Außerdem haben wir Menschen Bakterien auf der Haut, die Delfine krank machen könnten – das möchte ich natürlich nicht.

Mel: Riecht ein Delfin nach Fisch?
Sina: Ganz bestimmt, doch ist dafür meine Nase nicht fein genug. Einmal atmete aber ein großer Buckelwal neben unserem Forschungsboot aus, das stank ordentlich nach Fisch.

Mel: Ist schon mal ein Delfin böse geworden oder hat dich bedroht?
Sina: Obwohl Delfine sehr friedliche Tiere sind können sie natürlich auch böse werden. Ich persönlich wurde noch nie bedroht, doch habe ich schon öfter beobachten können, wie Delfine mit offenem Schnabel auf Schnorchler zugeschwommen sind, die versuchten, die Delfine anzufassen. Ein offener Schnabel ist eine eindeutige Drohgebärde, die vom Menschen falsch als „Lachen“ wahrgenommen wird.

Mel: Danke Sina für deine Zeit und den Einblick in deine tolle Arbeit!

Also, ich fand die Fragen und die Antworten mega interessant! Wie fandet ihr unseren Tag des Delfins? Und habt ihr Fragen, die wir noch nicht beantwortet haben?

(14.04.2022/MP)

2 Kommentare

  1. Simone Hofmann sagt:

    Klasse und echt lehrreich. Da bekommt man ja richtig Lust auf eine eigene Exkursion. Gerne mehr davon auch zu anderen Themen.

    1. Diana sagt:

      Liebe Simone, danke für das Kompliment. Wir haben noch viele Themenideen, du kannst also gespannt sein. 🙂 Gibt es ein spezielles Thema, das dich interessiert? Wir freuen uns immer über Impulse!

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