Von der Sonne geküsst – oder wie Solar-Fotopapier funktioniert

Jeder kennt sie – die weißen Haut-Areale, an den Stellen, die von Badehose oder Bikini bedeckt waren, während der übrige Körper von der Sonne schön gebräunt wurde.

Sonne hat also ganz schön Wumms und kann mit ihren Strahlen so einiges ausrichten. Die Kraft des UV-Lichts lässt sich auch ganz anschaulich mithilfe von Solar-Fotopapier zeigen und diesen Effekt wollen wir zum Gestalten nutzen.

Solar-Fotopapier – Geschichte und Hintergründe

Der englische Naturwissenschaftler und Astronom John Herschel entwickelte im Jahr 1842 ein Verfahren, das als Cyanotypie bezeichnet wird. Dieses Verfahren, das auch bei Herstellung von Fotoabzügen zum Einsatz kommt, basiert auf Eisen und ist auch als Blaudruck oder Eisenblaudruck bekannt.

Das, was heute der Kopierer leistet, wurde früher mithilfe von Blaupausen erledigt. 1876 nutzte man die Cyanotypie dazu, mithilfe von lichtempfindlichen Papieren und der Belichtung per Sonne Schriftstücke zu vervielfältigen.

Das Arbeiten mit Fotopapier war früher und ist auch heute noch deshalb so populär, weil es günstig ist, einfach in der Handhabung, weder Dunkelkammer noch giftige Chemikalien benötigt werden und auch die Beschichtung des Solar-Fotopapiers völlig unbedenklich ist.

Und wie funktioniert das?

Wird Solar-Fotopapier UV-Licht ausgesetzt, so ändert es seine Farbe von Blau nach Weiß. An den Stellen, an denen die blaue Farbe verschwunden ist, wurde die Oberfläche vollständig belichtet. Die Stellen, die nicht von der Sonne erreicht werden (weil ein Gegenstand darauf liegt), bleiben zunächst blau. Somit sind im Anschluss an die Belichtung die Konturen der aufgelegten Elemente deutlich erkennbar. Nach dem Kontakt mit Wasser kehren sich die Farben um – der Hintergrund wird wieder blau und die Flächen, auf denen die Objekte lagen, erscheinen in einem strahlenden Weiß. Ein Negativbild ist entstanden. Die Sonne hat also die aufgelegten Objekte „fotografiert“.

Interessant: Sogar einige Künstler nutzen den Effekt der Cyanotypie für ihre Kunstwerke, wie Barbara Kasten, Kirsten Heuschen, Beate Frommelt, Ute Lindner und Patrick Huber.

Und jetzt teste ich das einfach mal. So!

Da ich Solar-Fotopapier schon lange mal ausprobieren wollte und gerade die Sonne so schön vom Himmel lacht, versuche ich es einfach mal.

Also schnell die Anleitung rausgeholt. Was braucht man eigentlich alles dafür?

Material

  • Solar-Fotopapier
  • Frischhaltefolie
  • Stecknadeln
  • feste Unterlage, z.B. Gummimatte oder Pappstücke
  • größere Wasserschüssel oder Plastikteller
  • Wasser

Sammeln und vorbereiten

Und dann brauchen wir natürlich die Models, also die Gegenstände, die „fotografiert“ werden sollen. Also ab in die Natur und geschaut, was die so alles hergibt.

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Damit die Pflanzenteile flacher sind und plan auf dem Papier liegenbleiben, werden sie über Nacht in einem schweren Buch gepresst. Außerdem habe ich noch ein paar schöne Muscheln und Steine an Bord.

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Und jetzt geht’s los

Als Erstes lege ich das Solar-Fotopapier mit der blauen Seite nach oben auf die Unterlage und drapiere die Pflanzenteile schön darauf. Nun das Ganze mit ein wenig Frischhaltefolie und Stecknadeln fixieren und ab in die Sonne.

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Ah, da tut sich was. Schon nach etwa 8 Minuten wird das Papier etwas gelblich. Jetzt schnell damit in den Schatten, auspacken und das Solar-Fotopapier für 2 Minuten in die Schale mit Leitungswasser legen.

Sobald das Papier mit Wasser in Berührung kommt, verschwindet das Motiv für kurze Zeit. Das sorgt für einen kurzen Schreckmoment mit dem Gedanken: „Upps, ist da was falsch gelaufen?“ Doch gleich darauf kommt das Motiv als Negativ in leuchtendem Weiß vor dem cyanblauen Hintergrund zum Vorschein. Cool! Jetzt noch trocknen und schon haben wir eine tolle Erinnerung, die sich auch super verschenken lässt.

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(20.05.2022/MP)

2 Kommentare

  1. Alexandra S. sagt:

    Das ist ja eine super Sache. Können das auch schon Kindergartenkinder unbedenklich nutzen? Ich würde das gern beim Kindergeburtstag meiner Tochter (5 Jahre) anbieten. Da könnten die Kleinen dann verschiedene Gegenstände draußen sammeln, auflegen und zu einem Solarbild werden lassen – so hat jeder eine Erinnerung an den Tag.

    1. Diana sagt:

      Hallo liebe Alexandra, danke für deinen Kommentar. Ja, die Solarpapiere können schon von kleinen Kindern ganz unbesorgt verwendet werden, sie sind absolut ungiftig und das Gestalten damit macht auch schon Kindergartenkindern einen Riesenspaß! Berichte doch mal, wie die Aktion auf eurer Geburtstagsparty ankam, wir würden uns sehr darüber freuen. 🙂

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