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Sprache lebt. Zum Glück. Sie atmet Zeitgeist, reagiert auf gesellschaftliche Umbrüche und passt sich unseren Lebensrealitäten an.
Was gestern noch völlig selbstverständlich war, sorgt heute für Stirnrunzeln – oder im schlimmsten Fall für einen handfesten Shitstorm. Wörter altern, Bedeutungen verschieben sich, neue Begriffe schießen so schnell aus dem Boden, dass selbst der Duden manchmal nicht nachkommt.

Modewörter kommen und gehen. Anglizismen schleichen sich ein, wo früher deutsche Begriffe anzutreffen waren. Besprechungen werden zu „Calls“, Rückmeldungen zu „Feedbacks“ und Pausen zu „Breaks“. Verständlich, irgendwie. Globalisierung lässt grüßen.
Gleichzeitig wächst der Anspruch, Sprache müsse heute mehr leisten als früher: Sie soll barrierefrei sein, sensibel, weltoffen und inklusiv. Sie soll niemanden ausschließen, niemanden verletzen – Stichwort Gendern.
Kaum ein Thema wird derzeit leidenschaftlicher diskutiert. Für die einen ist es ein längst überfälliger Schritt zu mehr Sichtbarkeit und Präsenz, für die anderen eine unnötige Verkomplizierung der Sprache.
Hinzu kommt die Debatte um sogenannte „böse Worte“. Gemeint sind Begriffe, die früher ganz selbstverständlich verwendet wurden, heute aber als problematisch gelten. Wörter wie „Schwarzfahrer“, „Zigeunerschnitzel“ oder „jemanden an den Pranger stellen“ stehen beispielhaft für Ausdrücke, die bei genauerem Hinsehen historische oder diskriminierende Hintergründe haben – auch wenn sie im Alltag oft gedankenlos benutzt wurden.
Welche Begriffe darf man noch verwenden? Welche besser nicht mehr? Und wer entscheidet das eigentlich? Ein Blick zurück hilft hier, denn Sprache war nie ein „neutrales Werkzeug“ oder einfaches Kommunikationsmittel. Durch Sprache konnte auch immer etwas ausgedrückt werden (regionale Zugehörigkeit oder politische Absichten zum Beispiel).
Und das ist auch heute noch so. Die gleiche Aussage kann durch Sprache unterschiedlich ausgedrückt werden und Diskussionen darüber sind oft emotional, manchmal hitzig – und selten eindeutig.

Sprache war niemals statisch und hat sich schon immer entwickelt. Schon Seneca schrieb vor 2000 Jahren, dass die Jugend in Rom dem „richtigen“ Latein nicht mehr mächtig sei und prophezeite den Untergang, doch dauerte es noch ein paar hundert Jahre.
Auch früher veränderte sich Sprache, doch schien es langsamer zu sein. Neue Begriffe setzten sich durch, alte verschwanden – schleichend, fast unbemerkt….

Es gibt schätzungsweise 6000 Sprachen weltweit, manche sind „größer“ und manche „kleiner“. Durch die Globalisierung und eine erhöhte Mobilität unter den Menschen sinkt die Anzahl, denn die „größeren“ Sprachen, also die Sprachen, die viele Menschen sprechen, werden immer wichtiger.
Sie werden zum gemeinsamen Nenner und verdrängen so ganz selbstverständlich die „kleinen“. Diese Tendenz gibt es übrigens auch in Deutschland.
Eine Institution, die sich für den Erhalt einer solchen „kleinen“ Sprache einsetzt, ist die Ferring Stiftung auf der Nordseeinsel Föhr.
Seit vielen Jahren setzt sich die Stiftung dafür ein, die nordfriesische Sprache und Kultur – insbesondere auf den nordfriesischen Inseln – zu erhalten und an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Wir finden diese Initiative sensationell und hatten die einmalige Gelegenheit, in einem Interview einige Fragen an Robert Kleih, den Vorstandsvorsitzenden der Ferring-Stiftung zu stellen.
ALS-Verlag: Ist Nordfriesisch ein Dialekt oder eine Sprache?
Robert Kleih: Nordfriesisch ist tatsächlich eine eigene Sprache und kein deutscher Dialekt. Historisch gesehen steht Friesisch dem Englischen am nächsten und es gibt viele gleiche Wörter. Es ist aber nicht so, dass sich Friesen und Engländer problemlos verständigen könnten.
Nordfriesisch ist in Deutschland eine anerkannte Minderheitensprache und genießt in Schleswig-Holstein besonderen Schutz und Förderung. Im Kreis Nordfriesland wird zwischen Husum und der dänischen Grenze sowie auf den Inseln Helgoland, Amrum, Föhr und Sylt Nordfriesisch in verschiedenen Dialekten gesprochen.
ALS-Verlag: Welche Bedeutung hat Friesisch heute noch im gelebten Alltag der Inseln?
Robert Kleih: Auf den Inseln Helgoland und Sylt wird Friesisch heute leider nur noch von wenigen beherrscht. Auf Amrum und Föhr hingegen sieht es recht positiv aus und schätzungsweise 30 % der Einwohner spricht es im Alltag.
In vielen Familien ist es die normale Familiensprache und im westlichen Teil Föhrs ist seine Verbreitung sehr hoch; hier ist Friesisch Dorfsprache und wird bei der Arbeit, beim Arzt oder beim Einkaufen verwendet.
ALS-Verlag: Sprechen die Menschen nur „untereinander“ Friesisch oder findet sich diese Sprache auch im Unterricht, in Filmen oder in Büchern wieder?
Robert Kleih: Friesisch wird in den Kindergärten und Schulen der Inseln unterrichtet; in der Eilun Feer Skuul (Insel Föhr Schule) kann man sogar sein Abitur in Friesisch ablegen. Medien gibt es leider eher wenige auf Friesisch, das liegt auch daran, dass Nordfriesisch von ca. 10.000 Menschen gesprochen wird und es sich daher für keinen Verlag lohnt, Bücher auf Friesisch herauszugeben. Dafür sind wir dann zuständig (lacht). Jüngstes Beispiel dafür ist das Kinderbuch „Der Regenbogenfisch“, das in diesen Tagen in zwei friesischen Sprachfassungen erscheint.
ALS-Verlag: Wie schafft es die Ferring-Stiftung, die Sprache lebendig zu erhalten?
Robert Kleih: Wir versuchen, interessante friesische Angebote für alle Altersgruppen zu schaffen. Wir haben ein eigenes Friesisches Radioprogramm – den FriiskFunk – im Haus, kümmern uns aber auch um die Herausgabe von Schulbüchern auf Friesisch, Belletristik und speziell auch Kinderbücher.
So konnten wir Ende 2024 den Grüffelo auf Amrumer Friesisch und Föhrer Friesisch herausgeben und nun den Regenbogenfisch auf Föhrer und Sylter Friesisch.
ALS-Verlag: Passt sich die friesische Sprache auch an die wandelnde Sprachwelt an oder bleibt sie immer gleich?
Robert Kleih: Wie auch Deutsch entwickelt sich das Nordfriesische. Viele neue Sachverhalte – gerade technische Begriffe – kann man im Friesischen gut ausdrücken oder umschreiben. Einige werden auch aus dem Deutschen oder direkt aus dem Englischen entlehnt. Aber es gibt auch manchmal schier unlösbare Probleme.
So sollte die Ferring Stiftung die Bezeichnungen im Amtsgebäude in Wyk ins Friesische übersetzen für eine zweisprachige Beschilderung. An dem Wort Nachhaltigkeitsbeauftragter sind wir fast gescheitert. Die Friesen mögen lieber kurze Wörter und da mussten wir ein bisschen knobeln und umschreiben.
ALS-Verlag: Wie sieht ein Arbeitstag der Mitarbeiter der Ferring-Stiftung aus?
Robert Kleih: Die Ferring-Stiftung befindet sich auf Föhr in Alkersum. Dieses Dorf liegt ziemlich exakt in der Mitte und somit finden viele Föhrer ihren Weg zu uns, gerade wenn es sich um Fragen zur Geschichte oder zu unserem Archiv handelt. Wir bewahren in unserem Archiv, welches gerne besucht werden darf, mehr als 400 Jahre Inselgeschichte auf.
Zudem bekommen wir häufig Anfragen aus den USA, denn eine Menge Inselfriesen wanderte nach New York aus und diese Kontakte halten bis heute.
Ansonsten entwickeln wir unser digitales Angebot weiter – im Frühjahr 2025 wurde ein digitales Übersetzungsprogramm von uns zum Föhrer Friesischen herausgebracht – oder entwickeln Schulmaterialien. Wir haben auch viele weitere Projekte schon in Planung und ich denke, dass uns nicht so schnell langweilig wird.
Wir danken Robert Kleih für das interessante Gespräch und die vielen spannenden Einblicke.
Wer am Freitag, den 20. Februar 2026, gerade auf Föhr (oder ganz zufällig in der Nähe) unterwegs ist und Lust hat, den „Regenbogenfisch“ einmal ganz neu zu erleben, sollte sich diesen Termin rot im Kalender anstreichen und um 14:30 Uhr in der Stadtbücherei Wyk vorbeischauen.
Ein echtes Highlight: Vorgelesen wird die Geschichte von der Schülerin Theresa Marienfeld. Zur Veröffentlichung des Kinderbuchklassikers auf Fering (Föhrer Friesisch) lädt die Ferring Stiftung herzlich zu dieser besonderen Lesung ein. Der Eintritt ist frei!
Und danach? Da werden die Ärmel hochgekrempelt! Bei einer Malaktion können die kleinen Gäste selbst kreativ werden. Eintritt frei – Fantasie ausdrücklich erwünscht

Im Hamburger Abendblatt ist ein toller Beitrag zum Insel-Dialekt auf Föhr und wie dieser per Online-Übersetzer und Kinderbuch vermittelt wird, erschienen.
(14.02.2026/DD)
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Ausgesprochen interessant … und vielen Dank für die Wissenserweiterung. Ich wusste gar nicht, dass Frisisch eine eigene Sprache ist und habe es bis jetzt immer für einen Dialekt gehalten.
LG, Klara
Hallo liebe Klara,
wie schön, dass du uns schreibst – und noch schöner, dass wir dich ein bisschen überraschen konnten! 😊 Mit der Dialekt-Vermutung bist du übrigens in bester Gesellschaft. Genau deshalb wollten wir dem Thema unbedingt einen eigenen Beitrag widmen – weil Sprache manchmal mehr ist, als man auf den ersten Blick (oder das erste Hinhören) vermutet.
Danke dir fürs Mitlesen und Mitdenken!
Liebe Grüße Diana
Moin, habe gerade gehört, dass ihr die Sölring-Ausgabe des Regenbogenfischs per Druckkostenzuschuss unterstützt habt. Herzlichen Dank dafür.
Gruß, Oke
Moin Oke,
wie schön, dass dich die Sölring-Ausgabe des Regenbogenfischs erreicht hat! Wir freuen uns sehr, dass wir dieses besondere Projekt unterstützen durften. Dialekt- und Sprachprojekte liegen uns besonders am Herzen – sie halten Kultur lebendig.
Danke dir für deine netten Worte!
Herzliche Grüße
Diana