Männer & Kindererziehung: Wie sich das Rollenverständnis verändert hat

Im Vorfeld des nahenden Vatertags muss mich unsere von Frauen dominierte Redaktion wohl als ausgewiesenen Experten in Sachen „Männer & Kindererziehung“ angesehen haben. Sprich: Mir wurde das Thema kurzerhand aufgedrückt – und ich gebe es ja zu, ich habe mich auch nicht wirklich dagegen gewehrt.

Vorausschicken will ich, dass ich persönlich mit den einmal jährlich im Kalender aufploppenden „Ehrentagen“ – egal, ob Mutter- oder Vatertag – nur bedingt etwas anfangen kann, denn Eltern und wichtige Bezugspersonen sollten uns sehr viel öfter ein kleines Dankeswort wert sein.

Auch muss ich zugeben, dass mir die mit dem Vatertag oft in Verbindung gebrachten Bollerwagen-Rituale seit jeher eher fremd sind – und ich mich ihnen in der Vergangenheit bewusst und gerne entziehen konnte.

4 5

Was ihr auf dieser Seite findet

Männer & Kindererziehung: Ein sehr persönlicher Blick auf das Thema

Und jetzt also anlässlich des Vatertags ein Beitrag zur Männerrolle in der Kindererziehung. „Schreib doch mal was darüber“, war die Ansage. „Du hast doch selbst Kinder … und außerdem jede 1 5Menge Berührungspunkte mit jungen Vätern“.

Step 1 meiner Annäherung an das Thema Männer & Kindererziehung war natürlich das Rückbesinnen auf die eigene Kindheit, auf den eigenen Vater und die damalige Rolle der Väter als Erziehungsberechtigte.

Naja, die war so, wie es der damaligen Zeit und dem ihr unterlegten Rollenverständnis in den ausgehenden 1950er- und zu Beginn der 1960er Jahre entsprach. Er hatte die interfamiliäre Richtlinienkompetenz und meine Mutter die sich daraus ergebende Arbeit.

Er hielt sich aus vielem raus, was mit Kindergarten und Schule zu tun hatte, aber er war immer zur Stelle, wenn es irgendwo eng wurde. Widerworte wollten gut überlegt sein, denn im Zweifelsfall hatte er die besseren Argumente.

Meine Kindheit war von einer unglaublichen Freiheit geprägt. Den stark vom Vater gesteckten Rahmen habe ich so gut wie nie gespürt. Werte wurden vermittelt und vorgelebt. Sie zu übernehmen fiel entsprechend leicht. Eigene Wege zu finden und zu gehen, war erwünscht und die dabei gemachten Erfahrungen erschienen mir damals wie heute als Lektion mit Lerneffekt geplant.

Wie bedeutsam mein Vater für mich als Orientierungs- und Ankerpunkt war, wurde mir im Alter von 15 Jahren klar, als er an Krebs starb und plötzlich nicht mehr da war.

Work-Life-Balance war noch lange kein Thema

Step 2 meiner Beschäftigung mit dem Thema Männer & Kindererziehung ist natürlich das Reflektieren der eigenen Rolle als Vater.

Was einem bei diesem Rückblick so alles wieder einfällt, ist nicht nur spannend – es macht auch durchaus nachdenklich. Von meinem längst erwachsenen Sohn bekam ich irgendwann einmal Sätze wie diese zu hören: „So wie du will ich nicht werden – du warst ja nie da!“ Oder: „Ich will meine Kinder aufwachsen sehen und sie in wichtigen Phasen ihres Lebens auch aktiv begleiten.“ Rumms. So etwas saß und trifft natürlich auch noch heute.5 4

Mein Argument, warum es bei mir so sein musste, war immer der Job. Als Creative Manager in einem der größten Agenturnetzwerke weltweit waren lange Arbeitstage die Regel. Abwesenheit durch Reisen ebenso. Und selbst die Wochenenden waren nicht automatisch für die Familie reserviert.

Heute würde ich mich so nicht mehr vereinnahmen lassen wollen. Doch damals war es für mich normal – und es erschien mir zu dieser Zeit auch nicht verwerflich. Ein gutes Leben – so meine damalige Auffassung – hat eben seinen Preis. Wer Erfolg in diesem Job wollte, musste Prioritäten setzen und Entscheidungen treffen. In meinem Fall zu Lasten der Familie.

Dass es tatsächlich anders geht, sehe ich heute. Längst ist der Job nicht mehr alles und längst lässt die Arbeitswelt auch familienfreundliche Modelle zu. Und die werden zunehmend und ganz selbstverständlich auch genutzt.

Laut „Väterreport“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sagen rund 70 Prozent der jungen Väter, dass sie sich aktiver an der Betreuung und Erziehung der Kinder beteiligen, als die Väter ihrer Elterngeneration.

Sie übernehmen ganz selbstverständlich Aufgaben und Pflichten – und sehen dies zudem als persönlichen Gewinn. Immer mehr junge Väter nutzen die Elternzeit, um sich aktiv und intensiv um ihre Kinder zu kümmern. Mit ihrer verstärkten Präsenz entlasten sie ihre Partnerinnen und ermöglichen und erleichtern ihnen zudem auch den Wiedereinstieg in den Beruf.

Aktive Vaterschaft – in vielerlei Hinsicht bereichernd

Die sog. aktive Vaterschaft ist in vielerlei Hinsicht bereichernd. So berichten Väter, die Elternzeit genommen haben, von gesteigertem Wohlbefinden, einer höheren Zufriedenheit und dem Zugewinn an Familienkompetenzen.

Mütter profitieren ebenfalls. Sie erleben aktive Väter als starke Partner, die ihnen nicht dominant und bestimmend gegenübertreten, sondern respektvoll und auf partnerschaftlich-gleichberechtigter Augenhöhe.

Und die Kinder? Auch für sie ist das verstärkte väterliche Engagement ein klarer Gewinn. Sie entwickeln eine deutlich stärkere Bindung zum Vater und erleben ihre Familie so deutlich vielfältiger und facettenreicher. Dies hat – wissenschaftlich nachgewiesen – positive Einflüsse auf die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung.

3 4

Väter von morgen – noch kinderlos, aber mit klaren Vorstellungen

Den Weg der aktiven Väter von heute wollen auch die Väter von morgen nicht verlassen. Im Gegenteil. Diese noch kinderlosen jungen Männer sprechen sich offen dafür aus, dass der Vater so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringen soll.

Die Mehrheit von ihnen plädiert zum Beispiel dafür, dass der Vater wesentliche Teile der Baby-Betreuung übernimmt und sich dieses Kümmern und Verantwortlichfühlen dann auch in allen nachfolgenden Lebenssituationen fortsetzt.

Ich (Jahrgang 1955) finde, dass sich auf dem Feld „Männer & Kindererziehung“ enorm viel entwickelt und getan hat. Nicht durch Zwang oder Diktat, sondern aus freien Stücken. Und aus Überzeugung – bei den Männern und innerhalb der Gesellschaft.

2 5

(14.05.2026/WH)

Und hier noch ein Link zu einem aus meiner Sicht lesenswerten Beitrag!

Lust auf noch mehr Inspiration?

Weitere spannende Beiträge findet ihr direkt hier in unserem Blog! Stöbert auch gerne durch unseren Shop für passenden Materialien zum Basteln.

Wir freuen uns auch riesig, wenn ihr auf Facebook oder Instagram folgt!

 

Wissenswertes zur Rolle der Väter

Wie hat sich die Rolle der Väter in der Erziehung gewandelt?

Früher lag der Fokus meist auf der finanziellen Absicherung. Heute zeigt die Rolle der Väter einen Trend hin zur aktiven Beteiligung, bei der Männer Erziehungsaufgaben ganz selbstverständlich übernehmen.

Was sagt der Väterreport über moderne Erziehung aus?

Laut Väterreport des Bundesministeriums wünschen sich rund 70 % der jungen Väter mehr Zeit für ihre Kinder. Sie sehen aktive Vaterschaft als persönlichen Gewinn.

Welchen Vorteil hat die Elternzeit für Väter?

Väter, die Elternzeit nehmen, berichten von gesteigertem Wohlbefinden und einem massiven Zugewinn an Familienkompetenzen. Zudem erleichtert es den Partnerinnen den Wiedereinstieg in den Beruf.

Wie profitieren Kinder von einem engagierten Vater?

Eine starke Bindung zum Vater fördert die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung des Kindes. Die Familie wird dadurch vielfältiger erlebt.

Was wünschen sich die „Väter von morgen“?

Noch kinderlose Männer plädieren heute offen dafür, dass Väter wesentliche Teile der Baby-Betreuung übernehmen und von Anfang an voll verantwortlich sind.

 

2 Kommentare

  1. Detlef Schäfer sagt:

    Ich musste beim Durchlesen direkt an meine Kindheitserlebnisse denken und finde mich in der Beschreibung und vor allem im Hinweis auf die gewährten Freiheiten total wieder. Für mich irgendwie die Frühform der heute vielzitierten und bei vielen Eltern total angesagten bedürfnisorientierten Erziehung. Viel dürfen, aber alles im Rahmen klar abgesteckter Grenzen: Ging früher wie von selbst.

    1. Diana sagt:

      Wie schön geschrieben – danke, lieber Detlef, für deinen Kommentar!
      Wir haben uns sehr gefreut, dass unser Beitrag solche Erinnerungen bei dir geweckt hat. Und ja, dieses „viel dürfen innerhalb klarer Grenzen“ beschreibt es ganz wunderbar. Liebe Grüße vom ALS-Team

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Abonniere unseren Newsletter

Jetzt anmelden und über Angebote, Neuheiten & Basteltipps vom ALS-Verlag immer als Erstes informiert sein!