Erfahrungsbericht vom Besuch der Kiga-Kids im Seniorenheim – Generationenaustausch

„Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst“

Der erste Besuch unserer Kiga-Kids im Seniorenheim – und warum wir jetzt unbedingt weitermachen wollen

„Was ist, wenn die ganz alt sind?“ „Sind die nett?“ „Darf ich da auch wieder gehen?“ „Sterben die bald?“

So und so ähnlich klangen die Fragen der Kinder, als wir im Kindergarten zum ersten Mal über die Idee gesprochen haben, eine Kooperation mit dem Seniorenheim Haus Jona – Mission Leben zu starten.

Die Idee: Kinder besuchen regelmäßig Seniorinnen und Senioren – zum Vorlesen, Spielen, Singen und einfach zum Zusammensein. Klingt schön. Aber auch ein bisschen … ungewiss.Generationenaustausch

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Die Entscheidung: Machen wir das wirklich?

Im Team waren wir uns schnell einig: Ja, das wollen wir ausprobieren. Denn solche Begegnungen sind mehr als „ein netter Ausflug“. Sie bauen Brücken – zwischen Generationen, Lebenswelten und Erfahrungen.

Kinder lernen:

  • dass das Alter zum Leben dazugehört
  • dass Menschen unterschiedlich sind
  • dass man keine Angst vor dem haben muss, was man noch nicht kennt

Und die Senioren? Bekommen Besuch, Leben, Lachen – und vielleicht ein kleines Stück Alltag zurück. Oder, wie es eine Kollegin so treffend formulierte: „Das ist keine Beschäftigung – das ist Beziehung.“

Der erste Tag: Aufregung, Neugier – und ein bisschen Herzklopfen3 8

Als wir ankommen, sind die Kinder deutlich stiller als sonst. Einige rücken näher zusammen. „Die schauen mich so an …“, flüstert ein Kind. „Ich glaub, ich will doch lieber wieder in den Kindergarten.“

Und das ist okay. Denn genau hier beginnt das eigentliche Lernen: Nicht im Basteln oder Spielen – sondern im Mut, sich auf das Unbekannte einzulassen.

Wir hatten die Kinder vorbereitet, über Rollstühle und Rollatoren gesprochen, über Demenz, über langsames Gehen, schlechtes Hören und Sehen, lautes Sprechen und andere Dinge, die sie dort eventuell erwarten (und gegebenenfalls erschrecken) könnten. Und trotzdem ist die Realität … anders.

Der erste echte Kontakt

Ein älterer Herr winkt. Zögerlich geht der fünfjährige Elias näher. „Hallo“, sagt der ältere Herr. „Hallo“, erwidert Elias leise. Pause. Dann: „Kannst du mir helfen, diese Mandarine zu schälen? Meine Finger können das nicht mehr.“ „Klar!“, sagt Elias. Das Eis ist gebrochen. Und plötzlich füllt sich der Raum mit Leben.

Was wir gemeinsam gemacht haben

  • erzählt – manchmal stockend, manchmal stolz
  • gemalt – ein bisschen über den Rand hinaus, auf beiden Seiten
  • gelacht – wenn beim Luftballonwerfen der Ballon in die falsche Richtung flog
  • gesungen – schief, laut, herzlich

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Stimmen am Ende der Besuchszeit

Nicht alles war nur leicht – und genau das macht den Tag so wertvoll.

„Die Frau hat meine Hand gehalten. Die war ganz weich.“
(Lena, 5 Jahre)

„Der Mann hat immer wieder dieselbe Geschichte erzählt, aber ich fand die trotzdem gut.“
(Ole, 5 Jahre)

„Ich hatte erst Angst, weil manche so komisch geredet haben.“
(Arien, 5 Jahre)

„Ich dachte, die sind alle ganz traurig. Aber die haben ja gelacht.“
(Somer, 6 Jahre)

„Eine Frau heißt auch Marie, genau wie ich.“
(Marie, 4 Jahre)

„Ich war ein bisschen müde danach.“
(Maximilian, 3 Jahre)

„Es ist schön, wenn wieder jemand fragt, wie es einem geht – und wirklich zuhört.“
(Else, 73 Jahre)

„Die Kinder bringen so viel Energie mit. Da vergisst man für einen Moment alles andere.“
(Egon, 87 Jahre)

„Ich fand es schön, dass die Kinder heute da waren, meine eigenen Enkel besuchen mich nur selten.“
(Martha, 81 Jahre)

Warum ein solches Projekt so wertvoll ist1 7

Solche Begegnungen schaffen eine echte Win-Win-Situation.

Für die Kinder:

  • Abbau von Berührungsängsten
  • Entwicklung von Empathie und Rücksichtnahme
  • ein natürlicher Umgang mit Alter, Krankheit und Unterschiedlichkeit

Für die Senioren:

  • Lebensfreude und Abwechslung
  • das Gefühl, gesehen und gebraucht zu werden
  • Erinnerungen, die wieder lebendig werden

Und für alle gemeinsam: Ein Gefühl von Verbindung. Das ist gelebte Inklusion. Nicht als Konzept, sondern als Erfahrung.

War das aufwendig?

Ja – ein bisschen. Wir haben die Kinder vorbereitet, den Ablauf geplant und uns mit dem Team vor Ort abgestimmt, aber es war absolut machbar.

Und vor allem: Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zu dem, was zurückkommt.


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Und jetzt? Machen wir weiter?

Zuerst waren wir unsicher, doch die Antwort kam schneller als gedacht. Überraschenderweise von den Kindern.

„Wann gehen wir wieder hin?“
„Kann ich der Frau mein Bilderbuch zeigen?“
„Ich hab was für den Mann im Seniorenheim gebastelt – wann kann ich ihm das geben?“

Und auch von den Senioren kam der Wunsch nach Wiederholung.

Deshalb ist klar: Das war kein einmaliger Besuch. Wir planen jetzt regelmäßige Treffen – einmal im Monat oder vielleicht auch alle zwei Wochen. Mit festen Abläufen, vertrauten Gesichtern und ganz viel Raum für echte Begegnung.
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Was wir beim nächsten Mal anders machen

Natürlich haben wir auch daraus gelernt.

Wir werden:

  • den Besuch mit einer Kennenlern-Runde beginnen, bei der jeder seinen Namen sagt und die Kinder erhalten große selbstklebende Namensschilder für ihren Pulli ➡️ so können sich die Senioren die Namen besser merken
  • kleinere Gruppen bilden ➡️ weniger Reizüberflutung
  • mehr feste Rituale einbauen ➡️ gibt Sicherheit im Ablauf
  • genug Pausen einplanen ➡️ wichtig für Jung und Alt
  • Gespräche nachbereiten ➡️ so können die Kinder die Eindrücke besser verarbeiten

Fazit: Manchmal beginnt etwas Großes ganz leise

Nicht mit einem großen Konzept, sondern mit einem vorsichtigen „Hallo“. Mit einem Moment Mut. Und einer kleinen Hand, die eine große hält. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erfahrung für unsere Kinder: Dass Verbindung entsteht, wenn man sich traut, aufeinander zuzugehen.

Falls ihr nun Lust bekommen habt, selbst ein solches Projekt zu starten oder nach weiteren Impulsen für die Begegnung zwischen Jung und Alt sucht, haben wir eine Empfehlung für euch: Schaut mal bei den Generationsideen vorbei. Das Projekt setzt sich leidenschaftlich für das Miteinander der Generationen ein und bietet viele inspirierende Ansätze, wie wir Brücken bauen und voneinander lernen können. Denn am Ende zählt genau das: die echte Begegnung von Mensch zu Mensch.

(07.05.2026/DD)

 

Fragen zum Projekt Generationenaustausch

Warum ist ein Generationenaustausch pädagogisch so wertvoll?

Ein Generationenaustausch fördert die Empathie und baut Berührungsängste gegenüber dem Alter ab. Kinder lernen, dass Vielfalt zum Leben gehört, während Senioren durch die Energie der Kleinen neue Lebensfreude und Abwechslung im Alltag gewinnen.

Wie bereitet man Kinder auf den Besuch im Seniorenheim vor?

Wichtig ist es, vorab über Hilfsmittel wie Rollstühle und Besonderheiten wie Demenz zu sprechen. Ein gelungener Generationenaustausch braucht eine sensible Begleitung, damit die Kinder die neuen Eindrücke positiv verarbeiten können.

Welche Aktivitäten eignen sich am besten für das gemeinsame Treffen?

Einfache Tätigkeiten sind ideal: Gemeinsames Singen, Malen oder das Anschauen von Bilderbüchern. Beim Generationenaustausch steht die Beziehungsarbeit und das gegenseitige Zuhören im Mittelpunkt.

Welche Vorteile bietet die Kooperation für das Seniorenheim?

Für die Senioren bedeutet der Generationenaustausch eine Brücke nach außen. Das Lachen der Kinder aktiviert Erinnerungen, mindert Einsamkeit und gibt den Bewohnern das Gefühl, weiterhin ein wichtiger Teil der Gesellschaft zu sein.

 

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